Warum brauchen wir Innovationen?
Egal, ob Sie in einem Großkonzern, einem Start-up, einer sozialen Einrichtung oder einer kleinen Agentur arbeiten: Die Wahrscheinlichkeit ist extrem hoch, dass Dinge verbessert oder sogar revolutioniert werden sollen – egal ob es um Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse geht.
Und das ist auch völlig verständlich:
- Konkurrenz: Auf fast allen Märkten gibt es große Konkurrenz, nicht zuletzt durch die Globalisierung. Produkte und Prozesse müssen ständig optimiert und manchmal revolutioniert werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch Wettbewerber entwickeln sich weiter. Wer hier den Anschluss verliert, der geht unter.
- Veränderung: Rahmenbedingungen ändern sich ständig und manchmal sogar sehr plötzlich und radikal. Rohstoffe verknappen, Konsumentenverhalten verändern sich, neue Technologien lösen alte ab, globale Krisen und Konflikte stellen Handel und Produktionsnetzwerke auf den Kopf. Strategien, Geschäftsmodelle und Prozesse, die heute noch funktionieren, werden vielleicht schon morgen obsolet sein.
- Herausforderung: Häufig sind die Gelder knapp und die Anforderungen hoch. Dieses Problem ist auch in öffentlichen und sozialen Bereichen allzu gut bekannt. Es sind dann die Organisationen erfolgreicher, die sich selbst verbessern, dabei auch über den Tellerrand blicken und intelligente und effiziente Lösungen umsetzen.
Fakt ist: Keine Organisation kann es sich leisten, still zu stehen. Wer das tut, kann vor existenzbedrohenden Problemen stehen.
Was ist Innovation?
Der Begriff “Innovation” wird häufig mit großen und neuartigen Ideen verbunden – und das stimmt auch. Denken Sie an den Sprung vom Mobiltelefon mit Tasten hin zum Smartphone. Das war eine radikale Innovation! Viele Organisationen wünschen sich große Schritte wie diese: Basierend auf bestehenden Konzepten sollen neue Ideen entwickelt und umgesetzt werden.

Neben diesen bahnbrechenden Innovationen ist die Verbesserung im Kleinen nicht weniger wichtig, sogenannte inkrementelle Innovationen oder Optimierungen:
- Wird in einer Prozesskette von zehn Schritten ein Schritt anders gestaltet, kann auch das eine Innovation sein.
- Wird in einer Software eine Ansicht strukturell anders aufgebaut, weil sie so besser bedient werden kann, ist auch das eine Innovation.
- Auch das Verbessern der Kommunikationswege zwischen Lehrern und Eltern in einer Schule kann eine Innovation sein.
Innovationen gibt es also im Großen und im Kleinen, zur Entwicklung grundlegend neuer Lösungen und zur Optimierung bestehender Produkte und Prozesse.
Gibt es einen Unterschied zwischen Innovation und Verbesserung?
Der Übergang zwischen beiden Begriffen ist fließend, besonders wenn Sie auf die Innovation in kleinen Schritten schauen. Entscheidend für das Vorliegen einer Innovation ist dabei, dass etwas wirklich Neues entsteht.
In diesen Beispielen werden reine Optimierungen ohne Innovationscharakter beschrieben: Parameter in einem bestehenden System oder Prozess werden so geändert, dass er effizienter läuft. Der sogenannte Innovationsgrad ist niedrig, wenn nicht sogar Null.
Werden hingegen in einer Fastfood-Küche die einzelnen Zubereitungsstationen neu angeordnet, sodass Wegzeiten verkürzt werden und vielleicht sogar ein Schritt gespart wird, dann ist das eine klare Innovation. Wird also etwas prinzipiell verändert, dann ist der Begriff Innovation angemessen.
Wie entstehen Innovationen?
Aber wie entstehen Innovationen? In vielen Köpfen gibt es zwei Ansätze: Sie entstehen durch Zufall oder durch Visionen kreativer Genies. Auf wundersame Art und Weise gelingt es offenbar Einzelpersonen oder Organisationen, kreative Ideen zu entwickeln und zu Geld zu machen. Der Innovationsprozess wirkt wie eine Blackbox.

Herausforderungen von Innovations- und Ideenmanagement in der Praxis
„Beweise mir, dass diese Idee funktioniert!“
In der Praxis stehen kreative Köpfe vor einigen Herausforderungen. Vielleicht haben Sie selbst schon eine Idee gehabt, sind aber damit bei Ihrem Chef vor eine Wand gelaufen.
- Oft müssen Sie vorher nachweisen, dass die Idee gut ist und auch praktisch funktioniert, egal ob vor Ihrem Chef, vor Investoren oder der Geschäftsführung.
- Sie stehen also vor einem Problem: Sie kennen die Zukunft nicht. Sie können nicht garantieren, dass Ihre Ideen erfolgreich sind.
- Noch dazu können sich Menschen im Durchschnitt Dinge schlecht vorstellen, die noch nicht existieren.
- Zudem haben die meisten Menschen Angst vorm Scheitern – und das ist kein Wunder. Wenn Sie sich für Investitionen und Budgets rechtfertigen müssen, dann wollen Sie vermutlich nicht allzu viele Fehler machen.
Was passiert also? Innovationen werden teilweise nicht umgesetzt, weil es ein starkes Sicherheitsdenken gibt. Am liebsten möchten alle vorher wissen, dass eine Idee funktioniert – am besten basierend auf bereits vorliegenden Informationen und Daten. Wirklich radikale Innovationen entstehen allerdings selten durch Auswertung von Daten von gestern.
Was also tun?
Viele Organisationen befinden sich also in einem echten Zwiespalt: Einerseits werden Innovationen, neue Ideen und Ansätze zur Problemlösung gefordert – gleichzeitig werden Risiken so weit wie möglich vermieden. Das Motto lautet oft: “Wie sollen wir etwas einführen, von dem wir nicht wissen, ob es funktioniert?”
Genau an dieser Stelle kommt Design Thinking ins Spiel:
- Es hilft dabei, Probleme auf kreative Art zu lösen und Innovationen zu fördern.
- Es verringert das Risiko, weil schon früh getestet wird, ob eine Idee funktioniert.
- Es stellt den Menschen mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt, sodass auch wirklich die Lösungen entwickelt werden, die benötigt werden.
- Es folgt einem klaren Prozess, der Sie von einer Problemstellung zur konkreten Umsetzungsidee bringt.
Möglicherweise sind in Ihrer Organisation bereits Prozesse zum Ideen- oder Innovationsmanagement vorhanden. Doch auch in diesem Fall hilft Ihnen Design Thinking weiter. Indem Sie Design-Thinking-Methoden und -Denkansätze nutzen, können Sie Ihre Ideen durch saubere Recherche validieren und testen. Ein Hinweis vorab: Auch Design Thinking ist keine Universallösung und ist auch nicht für alle Arten von Problemen geeignet – mehr dazu in der nächsten Lektion.
Eine spannende Übung
Beginnen Sie direkt mit einer praktischen Übung: Nehmen Sie Zettel und Stift zur Hand und designen Sie das perfekte Portemonnaie. Sie haben 3 Minuten Zeit – legen Sie los!
Die meisten Menschen gehen von sich aus, ihrer eigenen Fantasie, ihren Erfahrungen und Wünschen. Vielleicht haben Sie Glück: Dieses Vorgehen kann zu einer bahnbrechenden Idee führen – womöglich sind Sie ein großer Visionär. Doch vielleicht haben andere Menschen (z. B. Ihre Kunden) ja ganz andere Bedürfnisse und Vorstellungen. Außerdem werden Sie in Organisationen immer wieder die Aufgabe bekommen: “Beweisen Sie mir zuerst, dass diese Idee funktioniert” – und genau das können Sie mit Design Thinking schaffen.